Das Ding mit der Sucht

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Der heutige Blogeintrag ist inspiriert von den Shades Tours Vienna, denn Sucht ist etwas, das uns alle betrifft – auch mich!

Mein erstes Suchtproblem habe ich bereits ausgiebig in der Rubrik About erläutert. Wer mein Porträt jedoch (noch) nicht gelesen hat, kann sich vielleicht trotzdem denken, was es ist, denn mit meiner Essstörung gehe ich ganz offen und ehrlich um. Ich versuche sie nicht zu verheimlichen oder sie schön zu reden. Von Anfang an bin ich diesbezüglich sehr transparent und verheimliche sie vor niemanden, der mit mir Umgang hat. 

Abgesehen vom Essen habe ich aber ein zweites großes Suchtproblem und zwar ist es die Spielsucht. Genau meine ich damit die Sucht nach diesen kugelförmigen, meist mit Luft gefüllten Gegenständen. Während mein Essproblem von der ersten Sekunde an bemerkbar ist, erkennt man meine Ballsucht erst, wenn man mich besser kennt und länger Zeit mit mir verbringt. Die Ballsucht lässt sich im Alltag um einiges besser von mir verbergen, da sich viel weniger Gelegenheiten bieten, diese Sucht auszuleben. Wenn sich aber eine Situation ergibt, ein Ball in mein Sicht- oder Geruchsfeld eintritt, dann übernimmt die Sucht die Kontrolle über meinen ganzen Körper. Wer glaubt, ich reagiere sensibel auf Essensgerüche, der hat mich noch nie gesehen, wenn ich den Ballgeruch in meiner Nase habe. Denn Bälle kann ich eindeutig noch besser erschnüffeln, als leckere Essensabfälle. Kaum zu glauben, aber wahr. Ich finde diese runden Dinger echt überall da draußen. Ich muss danach nie lange suchen. Wenn ich einmal den Geruch in der Nase habe, dann ist er so intensiv. Ich weiß genau, wo der Ball liegt und ich steuere gezielt darauf zu. Mama und Papa machen immer große Augen, wenn ich einmal wo kurz im Gebüsch verschwinde und mit einem Ball zurückkomme, aber das ist halt meine Fähigkeit: Verloren geglaubte Bälle aufspüren. Mit dem Finden eines Balls fängt mein richtiges Suchtproblem aber erst an, denn ich will – nein – ich muss dann mit ihm spielen. Mein Körper verlangt einfach danach. Ich möchte ihn fliegen sehen und holen, ich möchte ihn fliegen sehen und holen, ich möchte ihn fliegen sehen und holen und das in einer nie endenden Dauerschleife. Wenn es nach mir gehen würde, wäre da wirklich kein Ende in Sicht. Es geht aber nicht nach mir – zumindest nicht bei diesem Thema. So wird der gefundene Ball, meine Errungenschaft, viel zu schnell für meinen Geschmack weggepackt. In Form eines Tauschgeschäfts (ich Ball, Mama und Papa großes Leckerli) wandert der Ball in den Rucksack oder in eine Jackentasche und es kommt zur nächsten Suchtstufe: Ich weiche Mama oder Papa, je nachdem wer den Ball eingesteckt hat, nicht mehr von der Seite. Von außen sieht es vielleicht so aus, als würde ich perfekt Fuß gehen, aber eigentlich schmachte ich nur nach dem verborgenen Ball. Der Rest des Spaziergangs wird für alle Beteiligten dadurch, ich drücke es einmal milde aus, mühsam. Es braucht sowohl von mir, als auch von meinen Weggefährten starke Nerven, denn wenn es um meinen Ball geht, dann bin ich super stur und bleibe beharrlich.

Meine Mama hat mich mein erstes Lebensjahr komplett ferngehalten von Bällen. Wahrscheinlich hat sie gewusst, warum. Ich konnte lange Zeit mit dem Begriff gar nix anfangen. Am Hundespielplatz haben aber schon immer alle coolen Kids von ihren Bällen geschwärmt. Jetzt weiß ich warum. Bälle sind einfach toll! Was heißt toll, sie sind großartig, einfach labbitastisch, das Beste, das es auf der Welt gibt. Da kann jedes Leckerli dagegen einpacken. Obwohl essen könnte ich trotzdem schon wieder was.

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